Kein allgemeiner Beschäftigungseinbruch durch KI: Ergebnis weniger dramatisch aus als die öffentliche Debatte
Seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 wird diskutiert, ob generative KI Arbeitsplätze vernichtet. Besonders gefährdet gelten Berufseinsteiger*innen, weil sich typische Einstiegsaufgaben wie Recherchen, einfache Analysen oder Textarbeiten teilweise automatisieren lassen.
Das IAB hat die Beschäftigungsentwicklung von rund 22,3 Millionen Vollzeitbeschäftigten zwischen 2022 und 2025 untersucht. Das Ergebnis fällt differenzierter aus als manche Prognose einer drohenden „Jobapokalypse“.
In Berufen, die sich besonders für den Einsatz von KI eignen, lag die Vollzeitbeschäftigung 2025 rund ein Prozent über dem Stand von 2022. In weniger KI-exponierten Berufen ging sie dagegen um gut drei Prozent zurück. Insgesamt sank die Vollzeitbeschäftigung leicht. Besonders stark betroffen waren die 20- bis 29-Jährigen mit einem Rückgang von rund drei Prozent.
Junge Beschäftigte: leichte Nachteile, aber kein eindeutiger KI-Effekt
Bei den 20- bis 29-Jährigen entwickelte sich die Beschäftigung in stark KI-exponierten Berufen ungünstiger als bei älteren Beschäftigten: Sie ging dort zwischen 2022 und 2025 um 3,8 Prozent zurück, in weniger KI-exponierten Berufen um 2,6 Prozent.
Dieser Unterschied von 1,2 Prozentpunkten ist allerdings statistisch nicht belastbar, wenn weitere Faktoren wie die Eignung für Homeoffice und die Konjunkturabhängigkeit der Berufe berücksichtigt werden. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen KI und dem Beschäftigungsrückgang lässt sich daraus nicht ableiten.
Die schwache Konjunktur spielt eine größere Rolle
Laut IAB hängt der Beschäftigungsrückgang deutlich stärker mit der wirtschaftlichen Schwächephase zusammen als mit der möglichen Betroffenheit durch KI. In Berufen, die besonders unter der schwachen Konjunktur leiden, sank die Beschäftigung junger Menschen zwischen 2022 und 2025 um 4,2 Prozent.
Ein statistisch signifikanter negativer Zusammenhang zwischen KI-Exposition und Beschäftigung zeigt sich bei jüngeren Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe und in nichtakademisch geprägten Berufen. Im Dienstleistungssektor und bei akademischen Berufen ist dieser Zusammenhang nicht nachweisbar.
Damit rücken auch Ausbildungsberufe und industrielle Tätigkeiten stärker in den Blick – Bereiche, die in der öffentlichen Debatte über KI und den Berufseinstieg häufig weniger Beachtung finden.
Was bedeutet das für Berufseinsteiger*innen?
Die Untersuchung gibt vorerst Entwarnung, aber keine vollständige Entwarnung. Sie zeigt bislang keinen allgemeinen Einbruch der Beschäftigung in Berufen mit hohem KI-Potenzial. Gleichzeitig gibt es Hinweise darauf, dass sich die Chancen junger Menschen in bestimmten Berufsgruppen ungünstiger entwickeln.
Die Forscher*innen betonen, dass ihre Auswertung keine eindeutigen Aussagen über Ursache und Wirkung erlaubt. Außerdem misst die verwendete Kennzahl, wie gut sich Tätigkeiten potenziell mit KI unterstützen oder automatisieren lassen – nicht, ob Unternehmen KI tatsächlich einsetzen.
Da sich die Technologie und ihre Anwendung in der Arbeitswelt schnell weiterentwickeln, bleibt entscheidend, wie sich Beschäftigung und Berufseinstieg in den kommenden Jahren verändern.
Link
Arntz, Melanie; Dinelli, Michele; Schlenker, Oliver: „KI als Jobkiller für Berufseinsteiger? Entwarnung mit Vorbehalt”. IAB-Forum